Laos

4000 Inseln im Mekong – Laos’ spannender Süden

Wasserfall Kaskaden Felsen Himmel wolken laos

„Southern Laos – Charming by Nature” lautet das Motto des laotischen Tourismusverbandes. Und besser könnte man den Süden Laos‘ nicht beschreiben! Das ganze Land strotzt weniger von kulturellen Highlights – nicht, dass es keine gäbe wie unsere Berichte über Luang Prabang und Vientiane verraten – denn von einer abwechslungsreichen, wohl konservierten, fast unberührten Natur. So findet man im Norden undurchdringliche Wälder, durch die noch Tiger und anderes wildes Getier streichen sollen, im Osten Berge, teils aufgrund der maroden Infrastruktur unüberwindbar und im Zentralland die berühmte Ebene der Tonkrüge. Doch der Süden beherbergt ein ganz besonderes Naturjuwel: Andere Länder können mit traumhaften Stränden aufwarten, Laos mit Si Phan Don, den 4.000 Inseln im Mekong!

Kurz bevor der Mekong das Land nach Kambodscha verlässt, dehnt er sich in einem Gebiet von mehreren Quadratkilometern auf eine Breite von teilweise 17 Kilometern (!) aus.  Hier konnte sich ein Archipel von rund 4000 Inseln bilden.

Per Nachtbus zu den 4000 Inseln im Mekong

Jene laotische Stadt, die den 4000 Inseln am Nächsten liegt und über einen Flughafen verfügt, ist Pakse. Hat man wenig Zeit, bietet es sich an, über diesen Flughafen die Inseln anzusteuern. Wir hatten Zeit und wollten zudem unsere Flugkilometer so gering wie möglich halten, sodass es für uns ganz selbstverständlich war, auf dem Landweg anzureisen. Von der Hauptstadt Vientiane aus planten wir die Weiterreise über Pakse nach Don Khon, einer der größten Inseln der 4000. Am Tag vor unserer geplanten Abfahrt in den Süden Laos’ besorgten wir uns in Vientiane die Tickets für den Nachtbus. Es lohnt sich, die Preise zu vergleichen. Wir haben für die ca. 800 Kilometer lange Fahrt 220.000 Kip (22 Euro) pro Person inklusive Abholung vom Hotel und Überfahrt nach Don Det bezahlt. Der Pick-up vom Hotel war für 18:30 Uhr vorgesehen, die tatsächliche Abfahrt mit dem Nachtbus vom Busbahnhof sollte um 20:30 Uhr erfolgen. Nach Wartezeiten, Ticketkonfusionen und Diskussionen mit anderen Fahrgästen wegen doppelter Nummernvergabe der Schlafplätze, konnte es endlich losgehen. Wir waren recht beeindruckt von den bequemen Zweier-Schlafkojen, die mit kuscheligen Decken und Polstern ausgestattet waren. Man konnte sich auch als Europäer ganz ausstrecken.

Dieser Bus verdiente tatsächlich die Bezeichnung Nachtbus. Dafür ließen die Straßen zu wünschen übrig. Aber das waren wir in Laos ja schon gewöhnt und so waren wir umso mehr verwundert, dass der Bus die 670 Kilometer bis Pakse überhaupt in 12 Stunden geschafft hatte. Am Busbahnhof in Pakse wurden wir schon vom Betreiber des Minibusses für die Weiterfahrt zu den 4000 Inseln erwartet. Er meinte, dass wir spät dran seien. Um 9 Uhr fuhren wir los Richtung Inseln. Der Fahrer hatte aber allerhand Privatangelegenheiten zu erledigen, wodurch wir für die ca. 150 Kilometer statt der veranschlagten eineinhalb Stunden fast vier Stunden brauchten! Einige hundert Meter vor dem Bootsanleger – dieser war noch nicht in Sicht – wurden wir vom Fahrer ohne Worte abgesetzt. Erst andere Touristen, die auf dem Rückweg von den Inseln waren, informierten uns, dass wir noch ein Stück Fußmarsch vor uns hätten. Wir schleppten unser Gepäck durch die Hitze auf der Suche nach dem Bootsanleger, tauschten dort die Bustickets in Fährtickets und bestiegen das traditionelle Holzboot, das auf Don Det, die Nachbarinsel Don Khons zusteuerte. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, ob wir Don Det auf dem Landweg durchqueren und über die alte, französische Eisenbahnbrücke nach Don Khon überwechseln mussten. Aber der nette Fährmann ließ zunächst eine Touristengruppe auf Don Det aussteigen und schipperte uns für eine Gebühr von 5000 Kip pro Person (0,50 Euro) weiter nach Don Khon. So kamen wir in den Genuss einer wunderschönen, exklusiven Bootsfahrt über den Mekong zwischen den Inseln.

Der Bootskapitän setzte uns direkt an einer der vielen Homestays am Mekong zwischen Don Det und Don Khon ab. Selbst auf diesem „kleinen Durchfluss“ (s. Bild der Karte) war der Mekong fast so breit wie die Donau in Österreich. Unser Zimmer verfügte über eine Terrasse über dem Mekong mit Daybeds und Hängematten, von wo aus wir jeden Abend herrliche Sonnenuntergänge genießen durften.

Mit dem Fahrrad auf Don Khon unterwegs

Wir mieteten bei einem der vielen Verleiher Fahrräder um 10.000 Kip pro Tag (1 Euro) und fuhren die holprigen Wege am Ufer Richtung Westen ab. Bald erreichten wir die alte französische Brücke zwischen Don Det und Don Khon. Sie war in der französischen Kolonialzeit Ende des 19. Jahrhunderts als Eisenbahnbrücke errichtet worden. Daneben kann man heute eine alte Lokomotive besichtigen, die in den 1990er Jahren im Dschungel entdeckt und vom Dickicht befreit worden war. Die Franzosen hatten vor ca. 170 Jahren eine Expeditionsmannschaft in diese Gegend geschickt, in der Hoffnung, einen Schiffsweg von China bis ins süd-chinesische Meer in Vietnam über den Mekong zu finden. Dabei stießen sie auf eine gewaltige Barriere – die monumentalen Wasserfälle bei den 4000 Inseln im äußersten Süden von Laos, etwa 10 Kilometer vor der Grenze zu Kambodscha. Sie suchten einen Weg hindurch, konnten aber keinen finden. So hatte man geplant, das wuchtige Felsmassiv durch das der Mekong in Kaskaden in die Tiefe stürzte, zu sprengen. Dagegen wehrte sich aber die Bevölkerung recht erfolgreich – Gott sei Dank wurde dieses Wunder der Natur nicht zerstört. Man verfolgte dann also Plan B und errichtete eine Eisenbahnstrecke über die größten drei Inseln und verband sie mit Brücken. Aufgrund unüberwindbarer natürlicher Hindernisse und den jährlich wiederkehrenden Regenfällen wurde das Projekt aufgegeben, bevor es überhaupt fertiggestellt werden konnte. Heute existieren die Schienen auf der Brücke nicht mehr – sie wird einspurig von Touristen-Pick-ups, Tuk-Tuks, Motorbikes, Fahrrädern und Fußgängern genutzt. Wir setzten auf die andere Seite nach Don Det über und erkundeten dort ein wenig die Wege. Don Det war die erste Insel, die von Backpackern in den 1990er touristisch erschlossen worden war. Hier wurden die ersten Unterkünfte gebaut. Heute ist Don Det eher als Partyinsel bekannt, während Don Khon mit Entspannung lockt.

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mit dem Fahrrad auf Don Khon unterwegs
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Relikt aus der französischen Kolonialzeit
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am Abzweiger zum Tat Somphamit Wasserfall – auf dem Wegweiser ist unser “Rillaz on Tour” Pickerl in guter Gesellschaft

Tat Somphamit Wasserfälle

Nur wenige Kilometer von unserer Unterkunft entfernt lagen die Tat Somphamit Wasserfälle. Dort hat man einen kostenpflichtigen Park angelegt. Wir bezahlten 35000 Kip (3,50 Euro) pro Erw., Kinder kostenlos. Die Anlage war riesig. Eigentlich war es ein Naturschauspiel, das sich die Menschen hier zunutze gemacht haben. Wir marschierten Richtung Wasserfälle. Das Gebiet, auf welchem der Mekong über unzählige Kaskaden etwa 21 Meter in die Tiefe stürzt und sich seinen Weg durch einen Canyon sucht, kann wohl nur aus der Vogelperspektive komplett ausgemacht werden. An dieser Stelle ist der Fluss gut 14 Kilometer breit. Wir waren beeindruckt von den Wassermassen, der Naturschönheit dieser ganz besonderen Landschaft.

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Kleine, offene Bungalows laden zum Rasten und Landschaft-genießen ein. Gleich daneben liegt ein kleiner Sandstrand. Zu weit darf man allerdings nicht hinausschwimmen, sonst würde man von den Fluten mitgerissen. Das Wasser birgt hier eine ungeheure Kraft und Gewalt.

Die Kinder marschierten zum Eingangsbereich zurück, wo man in einem kleinen Flusslauf des Mekong in aller Ruhe gefahrlos baden kann. Auch wir folgten ihrem Ruf. Hier konnte man tatsächlich viel Spaß haben: mit einem Seil über den Fluss schwingen und sich ins Wasser fallen lassen, über eine kleine Seilbahn sausen und ins Wasser springen oder einfach eine Runde schwimmen.

Weiter vorne beim Restaurant hat man die Möglichkeit gegen eine Gebühr von 200.000 Kip (20 Euro) pro Erw. und 150.000 Kip (15 Euro) pro Kind die 580 Meter langen Ziplines über die Wasserfälle nutzen. Hier war sie also – die Vogelperspektive. Wir hatten auch ohne Ziplines viel Spaß und einen wunderbaren Tag am Mekong verbracht, uns herrlich erfrischt und ein gutes und gar nicht allzu teures Essen im dortigen Restaurant genossen.

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rechts im Bild ist eine der Ziplines zu sehen

Kurz vor dem Sonnenuntergang sind wir mit unseren Fahrrädern noch zum Aussichtungspunkt für die Irrawaddy Delphine, den berühmten Flussdelfinen, gefahren. Angeblich kann man sie hin und wieder dort sehen. Wir hatten allerdings kein Glück. Auf einem Boot würde man sie zu 100% zu sehen bekommen, verriet uns ein einheimischer Bootsbetreiber. Das wollten wir dann aber lieber doch nicht, denn die seltenen Tiere sind vom Aussterben bedroht – der zunehmende Tourismus hat sie leider schon zu sehr zurückgedrängt.

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Watching for dolphins

Khonephapheng Wasserfall & ein Bad mit Wasserbüffeln

Tags darauf machten wir uns schon früh mit den Fahrrädern auf den Weg quer durch Don Khon zum Khonephapheng Wasserfall auf der östlichen Seite. Ihn zu finden war gar nicht einfach, weil die Beschilderung schlichtweg nicht vorhanden war. Die Wege waren in katastrophal schlechtem Zustand und so ratterten wir mit den Fahrrädern über den steinigen Feldweg wie über eine Bahntrasse. Dass es früher einmal tatsächlich selbige gewesen war, bemerkten wir erst, als wir Schienenreste fanden. Die Wasserfälle am Ende des Weges waren zwar ganz nett anzusehen, aber jene auf der anderen Seite spektakulärer. Wir hatten gehofft, dass man auch hier baden könnte, was leider aufgrund der starken Strömung unmöglich war.

Die Sonne wanderte mittlerweile unaufhaltsam in ihren Zenit und strahlte mit voller Kraft auf die Insel. Deshalb beschlossen wir, wieder die Badestelle im Westen aufzusuchen. Man ließ uns dieses Mal ohne Eintritt zu verlangen durch, weil wir nur den vorderen Bereich nutzen wollten und nicht nach hinten zu den Wasserfällen gehen würden. Wir hatten den gesamten Platz für uns allein … bis die Wasserbüffel kamen. Gemächlich stapften sie Richtung Fluss und machten es sich im Wasser bequem. Die drei ausgewachsenen und das Kleintier waren sehr friedlich. Auch als die Kinder mit der Seilbahn über den Fluss sausten und sich direkt neben ihnen ins Wasser plumpsen ließen, badeten sie gelassen weiter. Andi schwamm eine Runde um sie, auch das störte sie wenig. Ein Paradies für Mensch und Tier.

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Damian kurz vor dem Absprung zu den Wasserbüffeln – sie nahmen’s gelassen.

Genauso tiefenentspannt wie wir einige Wochen zuvor das Mekong-Delta in Südvietnam verlassen hatten, brachen wir tags darauf nach Pakse auf. Der Mekong und die Mentalität seiner Bewohner haben wohl eine ganz besondere Wirkung auf seine Besucher.

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